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Architektonischer Mix: Der Stubenring

Mittwoch, der 27. April 2016

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stubenring

 

Wer am Stubenring nach einer Aneinanderreihung von kleinen, heimeligen Wohnräumen sucht – ganz nach dem Motto „Kommen Sie rein in die gute Stube“ – der wird wohl bald frustriert aufgeben. Doch woher kommt dann der Name „Stubenring“, der den Abschnitt der Wiener Ringstraße zwischen Franz- Josefs-Kai und Parkring beschreibt?

Zweifelsohne hängt er mit der Stubenbastei und dem Stubentor zusammen, einem der ursprünglichen Stadttore Wiens. Erzählungen zufolge geht die Bezeichnung aber auf die mittelalterlichen Badestuben zurück: Das waren öffentliche Bäder, in denen sich die Leute in hölzernen Wannen und mit Gießkannen als Handbrausen wuschen. Belegt ist dieser Ursprung allerdings nicht.

Ludwig Baumann: Architekt des k.u.k. Kriegsministeriums

„Wissen Sie, meine Kollegen haben getuschelt, als ich mich einst im Café Prückel meiner Melange hingegeben habe. Weil sie meinten, das k.u.k. Kriegsministerium sei nicht zeitgemäß. Der Wagner dachte ja, mit seinem Jugendstil hätte er eine neue Ära ins Leben gerufen. Von wegen – Erzherzog Franz Ferdinand wusste, dass ein repräsentatives Gebäude auch einen entsprechenden ‚Reichsstil‘ aufzuweisen hat. Und schließlich war er es, der den Auftrag hierfür erteilt hat“, so oder so ähnlich würde es Ludwig Baumann heute wohl erzählen, wenn er über seine Arbeit am 1913 fertiggestellten Regierungsgebäude berichten sollte. Denn als Protegé des Thronfolgers genoss er so manche Privilegien – vor allem aber hatte er in ihm einen ebenso durchsetzungsstarken wie auch konservativen Unterstützer. Vielleicht war das Otto Wagner und seinen Schülern einfach ein Dorn im Auge? Wir wissen es nicht.

Post für den Jugendstil

Vor dem Regierungsgebäude, unweit der Wirtschaftskammer Wien, steht übrigens das Denkmal des Feldherrn Radetzky, dem zu Ehren Johann Strauß Vater den weltberühmten Radetzkymarsch komponierte. Weniger musikalisch dafür genauso flott arbeiteten die Mitarbeiter der ehemaligen k.u.k. Postsparkasse, die heute Zentrale der Bawag P.S.K. ist. Man könnte angesichts dieser Adresse beinahe neidisch werden, ist doch das achtstöckige Gebäude eines der berühmtesten Jugendstil-Bauwerke Wiens.

„Da kann sich der Baumann noch so sehr hinter dem Erzherzog verstecken. Ein Schlüsselwerk wird sein Kriegsministerium nicht. Ich pflege zu sagen: ‚Etwas Unpraktisches kann nie schön sein‘, darum ist die k.u.k. Postsparkasse beides – schön und praktisch. Erkennen Sie die Geldspeicher, die aus den Granit- und Marmorplatten an der Fassade gebildet werden? Brilliant, muss ich sagen. Brilliant“, so stellen wir uns jedenfalls Otto Wagners Lobesworte auf sich selbst vor. Zurecht, wie wir finden.

Kunst und Kultur

Die Künstler des MAK (Österreichisches Museum für angewandte Kunst) finden vielleicht so manche Inspiration, wenn sie die Postsparkasse betrachten oder am Stubenring entlang flanieren. Wenn es darum geht, eine Pause einzulegen, ist etwa das Café Prückel besonders geschätzt, wie es schon bei Ludwig Baumann der Fall war. Heute steht es sogar unter Denkmalschutz. Als eines der ältesten Wiener Kaffeehäuser verzaubert es mit einem ganz besonderen Ambiente, nicht zuletzt dank seiner Einrichtung im Stil der 1950er Jahre.

Es zeigt sich also, dass der Stubenring einiges zu bieten hat, vor allem für all jene, die sich für die bunte Mischung verschiedener Architekturstile interessieren. Hier lohnt sich nicht nur ein Blick von außen, sondern auch in die Gebäude hinein – alleine das Stiegenhaus der Postsparkasse ist sehenswert.